Gut 50 Mitglieder der Alemannischen Larvenfreunde verbrachten im Rahmen der Kulturfahrt 2026 einen spannenden und abwechslungsreichen Tag im Kinzigtal. Auf dem Programm standen die Fastnachtstraditionen in Hausach und Haslach sowie interessante Einblicke in die Geschichte der örtlichen Bräuche und der Maskenschnitzkunst.

Zum Auftakt wurden die Larvenfreunde von der Freien Narrenzunft Hausach und ihrem Brauchtums-Team herzlich im Narrenkeller im Herrenhaus der Stadt empfangen. Zeremonienmeister Timm Henke begrüßte die Gruppe mit einem Umtrunk in dem urigen Gewölbe. Bereits 1986 hatten die Hausacher den historischen Keller zu ihrem Husacher Narrenkeller ausgebaut. Anschließend ging es, aufgeteilt in zwei Gruppen, zu einer närrischen Stadtführung durch die Gassen der Narrenstadt Hausach. An den für die Fastnacht wichtigen Orten erfuhren die Teilnehmer viel Wissenswertes über die örtlichen Bräuche und ihre Geschichte. Der Weg führte uns auch zum Zunftarchiv, wo die aktuelle Sonderausstellung zur Geschichte der „Blauen“ vorgestellt wurde. Ein beonderes Interesse galt natürlich der großen Anzahl erhaltener historischer Hansele-Larven. Diese aufgrund ihrer geringen Tiefe sogenannten Brettleslarven stammen überwiegend aus dem 19. Jahrhundert und zeugen von der langen Hausacher Fastnachtstradition. Auch die Entwicklung der Masken der Spättlemadlee konnte am Beispiel zahlreicher Masken verschiedener Maskenschnitzer gut nachvollzogen werden.

Nach Einkehr mit Mittagsimbiss im Hausacher Narrenkeller ging das Programm Nachmittags im nur wenige Kilometer entfernten Haslach weiter. Dort empfing uns der Brauchexperte Alois Krafczyk im ehemaligen Kapuzinerkloster. In einem wortgewaltigen Vortrag im früheren Refektorium gab er interessante Einblicke in die Stadt- und Fasnetsgeschichte von Haslach. Dabei durfte natürlich auch das Leben des bekannten Haslacher Bürgersohns Heinrich Hansjakob nicht fehlen. Ergänzt wurde der Vortrag durch einen Beitrag des örtlichen Maskenschnitzers Hubert Schultis. Er hatte einige seiner Larven mitgebracht und gab den Teilnehmern Einblicke in sein handwerkliches Schaffen. Eine seiner sicherlich kleinsten Arbeiten sorgte dabei für besonderes Staunen: eine voll funktionsfähige Rätsche mit einer Größe von gerade einmal 0,5 x 0,5 cm. Für diese außergewöhnliche Arbeit erhielt er 1996 sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

Im Anschluss stand der Besuch des Schwarzwälder Trachtenmuseums auf dem Programm. Neben den verschiedenen szenisch dargestellten Trachten der Region widmet sich dort ein eigener Ausstellungsraum der Fastnacht im Schwarzwald. Zu sehen sind unter anderem Narrenfiguren und Larven bekannter Narrenzünfte, historische Tonmodel, die früher zur Maskenherstellung verwendet wurden, sowie alte Aufsetzköpfe aus Pappmaché. Zu den besonderen Ausstellungsstücken zählt ein Zwerg, der 1909 beim Preismaskenball in Haslach den ersten Platz belegte. Bemerkenswert ist, dass sein komplettes Kostüm bis heute erhalten geblieben ist. Bei der anschließenden Stadtführung brachte uns Alois Krafczyk die Stadt- und Brauchgeschichte von Haslach noch näher. Dazu gehört auch der traditionelle Storchentag, bei dem er selbst seit über 30 Jahren als Storchenvater den Zug anführt. Zum gemütlichen Abschluss und Austausch über die gewonnenen Eindrücke trafen sich die Larvenfreunde im Anschluss in einer Haslacher Gaststätte.

Für die herausragende Gastfreundschaft möchten wir uns ganz herzlich bei der Freien Narrenzunft Hausach bedanken, insbesondere bei Zeremonienmeister Timm Henke und seinem gesamten Team. Wir haben uns bei euch sehr wohlgefühlt. Ebenso gilt unser herzlicher Dank Alois Krafczyk, sowohl für seinen eindrücklichen und wortgewaltigen Vortrag, die Führung durch das Schwarzwälder Trachtenmuseum und den anschließendem Stadtrundgang. Es war ein rundum gelungener Tag mit vielen interessanten Begegnungen und wertvollen Einblicken in die Fastnachtstradition des Kinzigtals.