Einen Überblick über das Lebenswerk des 2025 verstorbenen Elzacher Larvenschnitzers Bernhard Schätzle zeigt die kleine Sonderausstellung, die anlässlich der Museumsnacht am 16. Mai 2026 im Fastnachtsmuseum Narrenschopf zusammen mit seiner Familie eröffnet wurde. Bis zur Narrenbörse im Mai 2027 wird sie zu sehen sein. Damit gibt es im Fastnachtsmuseum Narrenschopf nun bereits zum 16. Mal in Zusammenarbeit mit dem Verein „Alemannische Larvenfreunde“ interessante Einblicke in die europäische Larvenkultur. Die Themen der bisherigen Ausstellungen reichen vom Maskenbrauchtum der Rhön, über Kriens, Bündner Larven und das Werdenfelser Land bis hin zu ausgewählten Maskenschnitzern der schwäbisch-alemannischen Fasnet.

Die Elzacher Fasnet ist weit über die Region hinaus bekannt, vor allem durch den Schuttig und die große Vielfalt der handgeschnitzten Holzlarven. Über Generationen hinweg entstanden in Elzach zahlreiche Larventypen, vom Fratz, Lätsch, Mundle über Langnasen bis hin zu Bart- und Teufelslarven. Jede mit ihrem ganz eigenen Ausdruck und Charakter. Zu den prägenden Larvenschnitzern der jüngeren Zeit zählte Bernhard Schätzle, der 2025 leider verstorben ist. Mit seiner Schnitzkunst und einem feinen Gespür für die traditionelle Formensprache gab er der Elzacher Fasnet viele neue und alte Gesichter. Mit dieser kleinen Sonderausstellung erinnern wir an Bernhard Schätzle und würdigen sein Wirken als Schnitzer, der das Narrentreiben in Elzach mit seinen Larven noch lange prägen wird.


Schon als Kind kam Bernhard Schätzle mit seinem Vater Josef Schätzle, der in Elzach nebenberuflich Schuttighüte fertigte, in die Schnitzerwerkstätten von Fritz Disch und Josef Tränkle. Der Duft von Lindenholz und der Entstehungsprozess einer Larve faszinierten ihn nachhaltig und weckten in ihm den Wunsch auch selbst die Kunst des Schnitzens zu erlernen. Fritz Disch‘s Werkstatt lag direkt am Schulweg und so wurde manches Mal aus Schulunterricht eine Lehrstunde im Schnitzen beim Altmeister Disch. Im Alter von 10 Jahren schnitzte er dann, unter der Anleitung von Fritz Disch, sein erstes kleines Lärvle. Es war also naheliegend, dass er nach der Schule eine Ausbildung wählte, bei der er seine Freude am Arbeiten mit Holz zum Beruf machen konnte. Durch seine Ausbildung zum Schreiner und Intarsien-schreiner war er hervorragend geeignet komplexe Arbeiten im Wagen- und Figurenbau bei der Firma Mack durchzuführen.
Nach der Fertigstellung seines Hauses baute er sich im Keller eine kleine Holzwerkstatt, die er Stück für Stück erweiterte. Aus seiner Hand entstanden unter anderem unzählige Schuttiglarven, Schuttigpuppen, Krippenfiguren und sakrale Objekte wie Madonnen und Wegkreuze. Die Kenntnisse und Fähigkeiten als Restaurator verliehen Bernhard Schätzle eine besondere Stellung bei der Reparatur und Anfertigung von Tragekopien alter Larven oder auch der Herstellung von Larven nach alten Fotografien. Die Auswahl dessen, was man kopieren und abändern darf war und bleibt hierbei ein heikles Thema. Er war sich dessen bewusst und versuchte hierbei einen gangbaren Weg zu finden. Alle seine Larven waren handgeschnitzt und nie vorgefräst. Lindenholz und Zirbelkiefer waren seine bevorzugten Holzarten. Bernhard Schätzle beherrschte unzählige Patinierungstechniken und fasste alle seine Larven selbst. Hierbei nutzte er gerne Öl- aber auch Acrylfarben. Die Weitergabe seiner Fähigkeiten und Kenntnisse war ihm ebenfalls ein Anliegen. Viele junge und ältere „Lehrlinge“ führte Bernhard Schätzle erfolgreich in die Kunst des Larven-schnitzens ein. Als gebürtiger Elzacher und als aktiver Schuttignarr war Bernhard Schätzle sehr froh und glücklich mit seiner Schnitzkunst der „Elzacher Fasnet“ viele neue und alte Gesichter geben zu dürfen.

Weitere Informationen zu Bernhard Schätzle und seinen Larven gibt es in seinem Künstlerportrait im Virtuellen Maskenmuseum.